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HORIZONT |
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Gretchen reloaded |
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http://www.jungewelt.de/2010/09-10/008.php „Glaube und Heimat“ / „Der Sonntag“ Ausgabe Nr. 32 vom 08. August 2010 S. 12
Mit letzter Kraft schleppt sich ein Mädchen auf die Bühne. Augenblicklich erstirbt im Publikum jedes Geräusch. Was die jugendlichen Zuschauer in diesem Moment zu sehen bekommen, ist schockierend und auf beklemmende Weise authentisch.
Das Mädchen, fast noch ein Kind, heißt Jenny. Sie ist barfuß und trägt nur ein kurzes, weißes Nachthemd, dessen untere Hälfte blutdurchtränkt ist. Auch ihre Hände und die nackten Beine sind voller Blut. Hinter der Tür, durch die Jenny soeben die Bühne betreten hat, schreit ein Baby, Jenny‘s Baby...
Eine Weile steht Jenny da, bleich, apathisch, schwer atmend und völlig erschöpft. Langsam trottet sie zum Sofa. Jede Bewegung bereitet ihr Schmerzen. Vorsichtig setzt sie sich auf die weiße Decke, hinterlässt auch dort die Spuren der soeben ganz allein durchgestandenen Geburt.
Auf der Suche nach Halt bleibt ihr Blick an einem weißen Teddy hängen. Eine Weile sitzt Jenny da, schwer atmend, mit leerem Blick, versucht das, was gerade passiert ist, zu begreifen. Sie schafft es nicht…
In einer Stunde werden Jennys Eltern heimkommen. Sie kann es ihnen nicht sagen. Sie will es ihnen nicht sagen. Zu groß sind ihre Angst und ihre Scham.
Jenny muss eine Entscheidung treffen, mit der sie völlig überfordert ist:
Wohin mit dem Kind? Für das Baby geht es um Leben oder Tod!
Eine Stunde - so lange dauert das Theaterstück „Gretchen reloaded“ von und mit Sonni Maier. Und genau so lange haben weder Jenny noch die Zuschauer eine Chance, dem fast ununterbrochenen Schreien des Babys zu entfliehen.
Jenny hat Angst – vor ihren Eltern, deren Vorwürfen, Belehrungen und Ratschlägen; vor ihren Freundinnen und davor, wie sie ihnen die plötzliche Geburt nach einer neun Monate lang verheimlichten Schwangerschaft erklären soll; auch vor der Lehrerin, von der Jenny jetzt schon weiß, was sie sagen wird: „Kein Abschluss, keine Ausbildung und überhaupt - hättest Du Dir das nicht vorher überlegen können?“
Und dann ist da noch der Vater des Kindes.
„Dreamboy17“ nannte er sich im Chat. Aber er ist gar nicht 17, sondern 42, hat ein gelbes Haus mit 2 Kinderzimmern und heißt Heinrich.
„Abtreiben! Abtreiben! Abtreiben! Das hast du gesagt! Aber ich hab’s nicht gemacht!“ schreit Jenny ihm entgegen. Doch Heinrich schleicht sich aus der Verantwortung, lässt Jenny und das Baby im Stich.
Jennys Eltern schweigen. Vergeblich hofft das Mädchen auf Verständnis und Unterstützung.
Wie alt mag Jenny sein? 13 Jahre? Oder 15? 19 oder noch älter? Es spielt keine Rolle. Es gibt viele „Jennys“ im Teenageralter. Ihre Gefühle, Ängste, Träume und ihre Sehnsucht nach Liebe sind zeitlos.
Jenny sieht keinen Ausweg. Ein Zurück ins „Mädchenland“, von dem Jenny in ihrer Verlassenheit singt, gibt es nicht. Am Ende ist die junge Mutter kurz davor, das Baby zu töten, umklammert ein Küchenmesser, wirft es in letzter Sekunde erschrocken weg und – nimmt ihr Baby weinend in die Arme.
„Ich will doch nur jemand, der mich liebt, genau wie du! Du wolltest doch auch nur, dass dich jemand will! – Genau wie ich! Du bist ich! Niemand liebt dich? Doch! ICH werde dich lieben!“
Die Geschichten von Anne, Bianca, Claudia, Franziska, Jennifer, Sandra und vielen anderen Mädchen und Frauen - SIE haben kein Happy End! Die Gründe dafür sind ganz verschieden. Nur eines ist IMMER gleich: Alle diese Frauen hatten Angst! Und Angst kommt nicht von ungefähr und auch nicht aus ihnen selbst!
Vielleicht kann „Gretchen reloaded“ dazu beitragen, die „echten Jennys“ besser zu verstehen, die, die unerkannt im Publikum sitzen und auf Hilfe und Verständnis hoffen – und die im Gefängnis, die trotz allem Menschen sind.
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„Meine Lebensaufgabe sehe ich darin, Theater mit einer Mission zu machen“, sagt Sonni Maier. Die 28jährige ist Schauspielerin und Theaterpädagogin in Witten/Ruhrgebiet, außerdem Gründerin und Leiterin von Drama Ministry e. V., Deutschlands größtem Netzwerk für Theater in der Kirche mit über 15.000 Mitgliedern.
Auch als Hörspielautorin hat sich Sonni Maier einen Namen gemacht. Von ihrer religionspädagogischen Hörspielserie "B.I.B.E.L. Power Kids" erschienen bislang vier Episoden (ERF-Verlag) sowie eine Comicserie in der Kinderzeitschrift „Kläx“.
„Ich mache Theater, nicht um die Zuschauer einzulullen und zu unterhalten, sondern um sie wachzurütteln, um sie zu sensibilisieren für soziale, politische Missstände in unserer Welt und in ihrem direkten Umfeld.“ so die Autorin und Darstellerin von „Gretchen reloaded“.
Das aktuelle Repertoire von Sonni Maier und Drama Ministry e. V. zeigt, wie ernst die zierliche junge Frau ihr Anliegen nimmt.
„Gretchen reloaded“ greift in Anlehnung an die Gretchenszene in Goethes „Faust“ ein aktuelles und höchst brisantes Thema auf, die Tötung von Neugeborenen durch die eigene Mutter.
"AlkoHölle" heißt ein weiteres, bewegendes Theaterstück für Jugendliche über süßen Alkohol und bittere Wahrheiten.
Um Armut und Reichtum schließlich sowie eine grenzüberschreitende Freundschaft geht es in "Die Ritterprinzessin", einem actionreichen Märchenspektakel für Kinder.
© Mario Lichtenheldt
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Ein Theaterstück von und mit Sonni Maier |
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Liebe Sonni!
Danke für dieses Stück! Du bist eine der ganz wenigen, die versuchen, zu verstehen. Mach weiter so!
Mario |
