HORIZONT

Klarheit, Tiefe und Empathie -

Verstehen braucht Zeit!

Der Mann

schuf Gott nach seinem Bilde…

 

Rezension

 

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Mit seinem Buch „War’s Allah’s oder das Wort eines Mannes??“ wagt es der ehemalige Moslem J. Gehirn, Tabus zu brechen, die auch in Deutschland kaum jemand offen anspricht. Es geht um die Wurzeln des Islam, die Würde des Menschen, Gewaltfreiheit, Gewissensfreiheit und Toleranz – humanistische Prinzipien also, die unter Moslems noch längst keine Selbstverständlichkeit sind. Es geht um Krieg, die Rolle der Frau im Islam und eine krude Sexualmoral, die Männer bevorrechtet, während Mädchen und Frauen unmenschliche Strafen für kleinste Vergehen erdulden müssen.

 

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Mit 11 Jahren beginnt der in einem muslimischen Land aufwachsende J. Gehirn, Fragen zu stellen und sich damit unbeliebt zu machen, vor allem dann, wenn seine Fragen Gott betreffen. Mit 15 lässt er sich dazu überreden, in den Krieg gegen die „Ungläubigen“ zu ziehen. Sein unbändiger Drang nach Wissen jedoch heißt ihn zögern und rettet dem Jungen vermutlich das Leben.

 

Die „Ungläubigen“ – das sind Juden, Christen, Andersdenkende und überhaupt jeder, der nicht an Allah glaubt.

 

Aber warum?

 

Wie kann man Krieg, den Tod von Menschen und die Zerstörung der Natur als „heilig“ bezeichnen?

 

Und warum sollte jemand Menschen als Feinde betrachten und töten, die ihm bislang freundlich gesinnt waren? Um als Mörder ins Paradies zu kommen, in dem „unberührte Jungfrauen“ warten?

 

Das alles klingt wirr und unlogisch für den Heranwachsenden. Statt in den „Heiligen Krieg“ wandert er schließlich nach Europa aus.

 

Antworten auf seine brennenden Fragen bekommt er auch hier zunächst nicht. Stattdessen landet J. Gehirn erneut in einer geschlossenen Männergesellschaft, die alle „Ungläubigen“ und sogar ihre Gastgeber als Feinde betrachtet und auch vor Gewalt nicht zurückschreckt, wenn es darum geht, sich selbst ihre „Männlichkeit“ zu beweisen.

 

Noch ahnt der Autor nichts von unteilbaren Menschenrechten, die in Deutschland wichtigster Bestandteil des Grundgesetzes sind…

 

Er heiratet und wird Vater. Schnell wandelt er sich zum männlichen Macho, der den Druck, den sein Glaube ihm auferlegt, und die Unzufriedenheit mit sich selbst rücksichtslos an Frau und Kindern auslässt. Die Reaktion des Rechtsstaates ist hart und heilsam zugleich: Der gescheiterte Ehemann und Familienvater wird zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

 

Jetzt endlich, ausgerechnet im Gefängnis, eröffnet sich ihm die Möglichkeit, frei zu denken und HIER bekommt er Antworten auf seine Fragen!

 

„Ich begann, mich für mich selbst zu ändern…“

 

Mit anderen Augen liest J. Gehirn nun den Koran. Dabei wird ihm neben dem aberwitzigen Anspruch auf alleinige und absolute Wahrheit vor allem die völlig unwürdige Lage der weitgehend entrechteten Frauen im Islam bewusst. Verachtet und eingeschüchtert sind sie „lebendig begraben“, so der Autor.

 

J. Gehirn berichtet von „Ehrenmorden“, Steinigungen, geschlagenen, vermummten, eingesperrten und vergewaltigten Frauen, von Sexentzug, vorgetäuschter Jungfräulichkeit („Zunähen“), gewaltsamen Abtreibungen, Polygynie und einem als „Held“ gefeierten Jungen, der versucht, seiner Freundin das Baby aus dem Leib zu treten, damit die Eltern nichts von der Schwangerschaft erfahren.

 

J. Gehirns Buch ist die logische Konsequenz aus eigenem Erleben und mühsam erarbeitetem Wissen, ein flammendes Plädoyer für die Gleichberechtigung der Frau, für eine Ehe, die auf Gefühl, Liebe, freier Partnerwahl, Gegenseitigkeit, Romantik, Zärtlichkeit, Dialog und einer selbstbestimmten Sexualität basiert.

 

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Konstruktive Kritik dient dem Zweck, Fehler zu erkennen, zu analysieren und zu beheben und heißt letztendlich nichts anderes als Fortschritt und Entwicklung.

 

Kritik aber, Zweifel, selbständiges Denken, Intelligenz, Selbstbewusstsein und die „Wucht der Gefühle, zu denen Frauen fähig sind“ fürchten die patriarchalischen Religionen dieser Welt seit jeher wie der Teufel das Weihwasser.

 

Vor diesem Dilemma steht der Autor. Zum Wohle ALLER Menschen, ob gläubig oder nicht, übt er Kritik, fordert Veränderungen, spricht exakt DIE ethisch-religiösen Themen an, die in unserer Zeit immer mehr Menschen persönlich betreffen, die zugleich aber aus falsch verstandener Toleranz oder politischem Kalkül nicht selten tabuisiert werden.

 

Letztendlich geht es darum, dass Religion kein rechtsfreier Raum sein darf, dass sie sich nationalem und internationalem Recht und insbesondere den unteilbaren, für alle Menschen gültigen Menschenrechten unterzuordnen hat. Das fällt schwer, wenn man glaubt, die absolute Wahrheit für sich gepachtet zu haben.

 

Umso mehr gleicht die Lektüre des Buches von J. Gehirn einer Erleuchtung ganz ohne göttliches Zutun, vor allem deshalb, weil der Autor in weiten Teilen den Koran für (oder gegen) sich selbst sprechen lässt und damit nebulösen Auslegungen von vorneherein den Boden entzieht.

 

 

J. Gehirn, War’s Allah’s oder das Wort eines Mannes??, Verlag Weimarer Schillerpresse, Frankfurt am Main, 2010, 102 Seiten, 8,90 EUR, ISBN-10: 3837204987, ISBN-13: 978-3837204988

 

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Zur Überschrift:

 

Abwandlung von 1. Mose 1,27 (Lutherbibel 1984)

 

„Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde“, Kenotaph für Ludwig Feuerbach auf dem Nürnberger Reichenberg;